Schottland ändert Kurs in der Drogenpolitik
A picture shows discarded drug paraphenallia in a small wooded area used by addicts to take drugs near Glasgow city centre, Scotland, on August 15 2019. - Drug addict Michael arrives at a derelict scrap of land near Glasgow city centre littered with used syringes and other drug detritus to inject cocaine. He is helped by a fellow user who quickly mixes the white powder with distilled water in a small spoon and draws the liquid up into two needles. Moments later, the pair, barely hidden in the wasteland site, drop their trousers and shoot the narcotic-laced fluid into their leg veins. The pair are examples of worsening drug misuse across Scotland, where drug-related death rates are now among the worst in the developed world. (Photo by ANDY BUCHANAN / AFP) / TO GO WITH AFP STORY BY JOE JACKSON

Schottland ändert Kurs in der Drogenpolitik

2020 zählte Schottland so viele Drogentote wie seit mindestens 25 Jahren nicht mehr. Nun setzt die Polizei auf eine neue Strategie: Besitzer harter Drogen müssen nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.

Im Kampf gegen die Rekordzahl an Rauschgifttoten setzt Schottland nun auf Straffreiheit auch bei harten Drogen wie Heroin, Kokain und Crystal Meth. Polizisten können künftig Menschen, die mit sogenannten »Class A« -Drogen geschnappt werden, lediglich verwarnen, anstatt sie strafrechtlich zu verfolgen, wie die schottische Generalstaatsanwältin Dorothy Bain vor Abgeordneten in Edinburgh sagte.

Sie betonte, dass Drogenhandel weiterhin strafbar sei. Die oppositionelle Konservative Partei kritisierte, die Maßnahme führe zu einer Entkriminalisierung, wie die BBC berichtet.

2020 starben 1339 Menschen in Schottland an den Folgen ihres Drogenkonsums, so viele wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor 25 Jahren. Im ersten Halbjahr 2021 waren es 722. Mit 21 Drogentoten pro 100.000 Einwohnern im Vorjahr hat Schottland die verheerendste Quote in ganz Europa. Sie liegt zudem dreieinhalbmal höher als der Gesamtdurchschnitt des Vereinigten Königreichs.

»Die klügste Reaktion in jedem Drogenfall muss auf die Fakten und Umstände sowohl der mutmaßlichen Straftat als auch des Täters zugeschnitten sein.«

Generalstaatsanwältin Bain wies Kritik zurück. »Es gibt keine allgemeingültige Reaktion auf eine Person, die im Besitz einer verbotenen Substanz ist, oder auf eine Person, die von Drogen abhängig ist«, sagte Bain. »Die am besten geeignete Reaktion, die klügste Reaktion in jedem Drogenfall, muss auf die Fakten und Umstände sowohl der mutmaßlichen Straftat als auch des Täters zugeschnitten sein.«

Bei Drogen der Kategorien »Class B« – dazu gehört unter anderem Cannabis – und »Class C« – zum Beispiel Rohypnol oder Valium – ist eine Verwarnung statt strafrechtlicher Verfolgung bereits möglich.

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